Ss 2009

Mais um von Cássio Pires

Über das Stück
 
Das Stück besteht aus mehreren kleineren Alltagsgeschichten in der U-Bahn von São Paulo. Die Szenen spielen sich alle gleichzeitig ab, die Darsteller sprechen deshalb abwechselnd - eine Szene beginnt, bevor die vorherige zu Ende ist. Die folgende Zusammenfassung zeigt allerdings der Einfachheit halber jede Einzelhandlung zusammenhängend und vollständig.

In der Metro von São Paulo, nachts, kurz vor Dienstschluss.

Der Produzent und das Starlet

Der Produzent betritt die Metro sehr aufgeregt, denn er wurde soeben überfallen: sein Auto wurde gestohlen, das ihm sehr viel bedeutet hatte. Das Starlet versucht vergeblich, ihn zu beruhigen. Sie misst dem Überfall nicht viel Bedeutung bei, denn sie ist mit ihrem ersten Auftritt in einer Fernsehsendung beschäftigt, der am nächsten Tag stattfinden soll. Der Produzent gibt zu, dass er in Wirklichkeit nicht glaubt, dass sie je Karriere machen wird, da sie nichts Besonderes sei und deshalb am besten gleich aufgeben solle. Das Starlet kann es nicht fassen, dass er ihr Derartiges ausgerechnet am Vorabend ihres großen Auftritts im Fernsehen sagt. Sie hat nun keine Lust mehr, am nächsten Tag in der Sendung aufzutreten, doch es gibt keine Möglichkeit, den Auftritt abzusagen. Voller Verzweiflung bricht sie in Tränen aus. Die beiden gehen auseinander. Sie geht zu ihrer Mutter, um sich trösten zu lassen. Er muss umsteigen. Im anderen Zug bricht es aus ihm heraus, dass er nicht wie ein Monster aussehen möchte, nur weil er dem Starlet die Wahrheit gesagt hat. Das sei schließlich sein Job. Er versucht, sich von jemandem Geld für ein Taxi zu leihen.

Der Techniker

Der Techniker hat Angst und versucht, sich vor den Blicken der anderen Fahrgäste zu schützen. Dann betrachtet er sein Gesicht in einem Taschenspiegel und vergleicht es mit einem Foto aus einer Zeitung. Er versucht, einen Brief an seine Frau zu schreiben, ist jedoch nie zufrieden, zerreißt das Blatt mehrmals und fängt wieder neu an. In dem Brief berichtet er von seinem Problem: er wird fälschlicherweise für einen polizeilich gesuchten Dieb gehalten, dem er offenbar ähnlich sieht. Sein Foto (oder vielmehr das seines Doppelgängers) hängt nun in der ganzen Stadt. Er möchte den Brief im Metrowaggon liegen lassen, doch der Bedienstete hindert ihn daran. Die Dichterin spricht ihn an und möchte ihm eines ihrer Gedichte verkaufen. Er erzählt ihr, dass er beschlossen hat, die Stadt und seine Frau zu verlassen, da er mit einem Banditen verwechselt werde. Sie versucht, ihn dazu zu bringen, sich der Polizei zu stellen und die Situation zu klären. Aus Mitleid kauft er ihr schließlich für 1 Real ein Gedicht ab.

Die Dichterin

Die Dichterin versucht, ihre Gedichte in der Metro zu verkaufen. Eigentlich arbeitet sie als Sekretärin. Sie ruft: "Kauft meine Gedichte! Sie sind billiger als ein Metroticket, aber sie bringen Euch weiter, viel weiter!" Enttäuscht davon, dass keiner etwas kaufen möchte, zerreißt sie eines der Gedichte und wirft es auf den Boden. In Wirklichkeit sind ihre Gedichte größtenteils Kopien von Werken anderer Autoren, etwa Baudelaires.

Der Metrobedienstete an der Station "Consolação"

Der Metrobedienstete "Consolação" ist stets bemüht, die Richtlinien und Verhaltensregeln der Verkehrsbetriebe, für die er arbeitet, einzuhalten, und wird dabei unter anderem mit folgenden Problemen konfrontiert: 1. Einer blinden alten Frau, die sehr stur ist und nur allein von ihm gefahren werden möchte, da er, wie sie sagt, nach ihrem verstorbenen Mann rieche und seine Stimme habe. 2. Einem Passagier, dem er klarmachen muss, dass dieser nicht berechtigt ist, einen Gegenstand (Brief) absichtlich in der Metro zu vergessen, denn es gibt zwar ein Fundbüro, dieses ist aber nur für "ehrlich" vergessene Gegenstände zuständig!

Der Metrobedienstete an der Station "República"

Dem Metrobediensteten "República" tut die blinde alte Frau leid und versucht, seinen Kollegen davon zu überzeugen, extra zu ihr zu gehen und sie zu begleiten.

Die alte Frau

Eine blinde und sehr anspruchsvolle alte Dame. Sie bleibt so lange stur, bis sie bekommt, was sie will.

Der Schmuggler und seine Komplizin

Die beiden sind ein Paar. Er hat einen Laden, wo er Schwarzhandel betreibt, und hat nun 5000 Reais Schulden. Sie hat ihren Vater um das Geld gebeten, der auch nicht reich ist, und das Geld für eine Renovierung seines Hauses angespart hatte. Gerne würde sie mit ihm zur Übergabe des Geldes an die Gläubiger kommen, aber er will sie nicht dabei haben. Er beteuert ihr, dass er sich ändern und ein besseres Leben führen will, und dass er ihrem Vater das Geld zurückzahlen werde. Schließlich wird er nervös und fängt an, Whisky zu trinken, was seine Freundin sehr beunruhigt. Als die beiden sich nach der Geldübergabe in der Metro wieder treffen, ist er sehr frustriert und verrät ihr schließlich, was er vorgehabt hatte, aber nicht geschafft hat: seinen Gläubiger zu erschießen und mit dem Geld zu fliehen.

Der Mann und die Frau

Seit drei Jahren treffen die beiden sich in der Metro, da sie immer dieselbe Strecke fahren, ohne sich zu kennen. Beide haben nie gemerkt, dass sie aneinander Gefallen gefunden haben: sie findet sich uninteressant ("alt und hässlich") und hatte nie den Mut gefunden, ihn anzusprechen. Sie träumt lieber weiter aus Angst vor einer Enttäuschung. Er hat ihre verliebten Blicke nicht verstanden, außerdem ist er verheiratet. Aber er erwägt es, eines Tages dieses "Abenteuer" zu wagen.

Die drei Rezeptionisten

Die drei fahren nach einem langen Arbeitstag im Hotel nach Hause. Die 1. Rezeptionistin findet es eigenartig, dass der 3. Rezeptionist im Hotel arbeitet, da er ein "Diplom" hat und als Lehrer arbeiten könnte. Die 2. Rezeptionistin arbeitet erst seit kurzem in dem Hotel und möchte wissen, wer ihre Vorgängerin war. Nach einigem Nachfragen erfährt sie, dass diejenige Selbstmord begangen hat. Der 3. Rezeptionist flirtet mit der 1. Rezeptionistin, die an dem Spiel Gefallen findet und ihn zu einem Katz-und-Maus-Spiel herausfordert.

1. und 2. Wachmann

Die beiden sind auf dem Weg zu ihrer Spätschicht, um die Villen reicher Leute zu bewachen. Der 1. Wachmann ist sehr frustriert: er erträgt das Leben als Wachmann nicht mehr, denn er wird von den Reichen ignoriert und die Arbeit ist sehr monoton. Er würde gerne ein Abenteuer erleben und etwas zu erzählen haben. Der 2. Wachmann hat sich mit der Situation abgefunden. Er erklärt seinem Kollegen dass er keine andere Wahl habe - "arm, hässlich und klein" wie er sei. Er glaubt, dass das Problem sich von selbst löse, wenn man nur endlich zwei, drei Nächte vernünftigen Schlaf hätte.

Mitwirkende
Estrela / Starlet    Terezinha Malaquias
Produtor / Produzent    Anderson Magalhães
Técnico / Techniker    Sara Dias
A Poeta / Dichterin    Giovanna da Ponte
Contraventor / Schmuggler    Maria Anna Richter
Cúmplice / Komplizin    Núbia Scharlach
Funcionário de metrô / Metrobediensteter    Giuseppe Conti
Senhora / Frau    Paula Strasser
Senhor / Mann    Giuseppe Conti
1o Vigia / 1. Wachmann    BethAnne Freund
2o Vigia / 2. Wachmann    Olivia Della Posta
1a Recepcionista /
1. Rezeptionistin    Vivian Rabay Faria
2a Recepcionista /
2. Rezeptionistin    Leonora Lorena
3o Recepcionista /
3. Rezeptionist    Peter Baumann
Agente República (off) /
Arbeiter an der Station "República"    Peter Baumann
Velha (off) / Alte Frau    Alexandra Duppé
Locutor (off) / Sprecher    Paulo M. Baptista

Cartaz / Plakatentwurf    Sonja Männel
Luzes & Som / Licht & Ton    Noureddine Tarda
Música ao vivo / Livemusik    Sara Dias, Vivian Rabay Faria, Filipe Dias, Gerhard Borchert, Terezinha Malaquias, Laura Firmino, Max Teixeira Lehmann, Giuseppe Conti, Paula Strasser
Cenário / Bühnenbild    Sara Dias, Giuseppe Conti, Maria Anna Richter
Video    Noureddine Tarda
Programa / Programmheft    Christiane Abele, Vivian Rabay Faria
Workshop teatral/
Theaterworkshop    Jochen Neubauer, Cristiana Menezes
Organização / Organisation    Maria Anna Richter, Elisa Tavares
Direcção / Gesamtleitung    Vivian Rabay Faria, Giuseppe Conti
 

Vorstellungen
24. und 25. Juli 2009 um 19.30 Uhr im Theatersaal der Alten Universität